Der Wuppertaler Demokratieforscher Prof. Dr. Hans J. Lietzmann war zu Gast im Bundespräsidialamt in Berlin. Bei einem persönlichen Ideenaustausch im Schloss Bellevue zeigte sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier interessiert an den Forschungen des „Instituts für Demokratie- und Partizipationsforschung“ [IDPF] der Bergischen Universität zu neuen Demokratieformen.
Prof. Dr. Hans. J. Lietzmann (links) zu Gast bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Foto: Bundespräsidialamt
Auch das Bundespräsidialamt ist auf der Suche nach
kreativen Möglichkeiten, bislang eher unbeteiligte Bürgerinnen und
Bürger in das politische Gespräch und in die politische Verantwortung
einzubeziehen. So gehört es zu den zentralen Vorhaben des amtierenden
Bundespräsidenten, den politischen Austausch besonders mit denjenigen
Menschen in unserer Gesellschaft zu suchen, die ansonsten kaum den
Kontakt miteinander und mit der demokratischen Gemeinschaft finden. Die
Demokratie- und Beteiligungsmodelle der Wuppertaler Forschungsteams
zeigten sich hier als wegweisend.
„Es stellte sich als gemeinsames Ziel heraus,
verstehen zu wollen, was in unseren vielfältigen Gesellschaften und
politischen Gegenwarten wirklich vor sich geht“, sagte Prof. Lietzmann
nach dem Gedankenaustausch. „Und auch, in welcher Weise und wo mögliche
Spaltungen entstehen. Hier geht es darum, neue Formen des politischen
Miteinanders zu entwickeln, die aus den gegeneinander abgeschlossenen
Diskussionsräumen hinausführen.“
Es gehört zum Selbstverständnis der Politikwissenschaft und des IDPF der Bergischen Universität, Fragen nach der Legitimität der gegenwärtigen politischen Institutionen zu stellen und mögliche Wege zur Demokratisierung und Teilhabe an politischen Entscheidungen aufzuzeigen. Der gegenseitige Austausch soll fortgeführt werden.
Kontakt:
Prof. Dr. Hans. J. Lietzmann
Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften
Telefon: 0202/493-2429
E-Mail: hans.j.lietzmann@uni-wuppertal.de
Lietzmann, H. J. (2018/2019): Partizipation und Selbstverantwortung in der Gesundheitsversorgung. In: BUW OUTPUT, Forschungsmagazin der Bergischen Universität Wuppertal Nr. 20, Wuppertal: BUW, S. 18-23.
Das Gesundheitssystem und seine Ausgestaltung greifen tief in das Leben der Menschen ein. Es berührt sie buchstäblich unmittelbar. Insofern ist es selbstverständlich, dass sich auch jede Veränderung der politischen Kultur der Menschen unmittelbar im Gesundheitswesen auswirkt. In den gegenwärtigen Gesellschaften artikuliert sich allenthalben der Ruf nach mehr direkter Beteiligung und Mitbestimmung. Autoritäten verlieren ihre Unangefochtenheit, und der Ruf nach Transparenz wird lauter. Diese Entwicklung hat längst auch die „Götter in Weiß“ erreicht und sie stellt intransparente Entscheidungen sowohl in der medizinischen Praxis als auch in der Gesundheitspolitik in Frage. Neben alten Strukturen bilden sich Selbsthilfeorganisationen sowie Patienteninitiativen heraus. Und auch die Mitbestimmung der Patientinnen und Patienten bei der Medikamentenzulassung oder bei der Abrechnungsfähigkeit medizinischer Leistungen wird breit thematisiert. All dies ist Teil einer allgemeinen Ausweitung bürgerschaftlicher Politik. Und es ist zugleich eine Chance für mehr Bedürfnisgerechtigkeit und Wirkungstiefe in einer solidarischen Gesundheitsregulierung. Das Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung (IDPF) der Bergischen Universität Wuppertal analysiert und begleitet diesen Prozess auf vielfältige Weise.